Syrischer Ehrenmörder nach jahrelanger Flucht gefasst

 

Ehrenmord Hagen A45 - verurteilter Cousin

Der syrisch-stämmige Ezzedin a. R. (Foto, damals 21) wurde 2009 vom Hagener Landgericht zu 14 Jahren Haft verurteilt wegen des gemeinschaftlichen Ehrenmords an seiner Cousine Iphital Z. (20). Die Tat geschah am 31. August 2008 auf einem Parkplatz an der A45. Den Haupttäter, seinen Onkel Hussain K. hatte er nach vollbrachter Tat zum Flughafen in Amsterdam gefahren. Nach dem Onkel mit finnischen Pass wurde seitdem gefahndet – bis er zuletzt an der russisch-finnischen Grenze aufgegriffen wurde. Er wurde nun ausgeliefert und sitzt jetzt in Deutschland in Untersuchungshaft. Ezzedin a.R. hatte vor Gericht ausgesagt, von seinem Onkel zur Beteiligung am Ehrenmord gezwungen worden zu sein. Sein Vater war nach der Urteilsverkündigung ausgerastet, weil man das Leben seines Sohnes zerstören würde. Dass das Leben der Cousine ausgelöscht wurde, hatte die junge Frau ihrem “westlichen Lebenswandel” zu verdanken.

 

e110:

Nach jahrelanger Flucht ist der mutmaßliche Hauptschuldige in einem Ehrenmordfall nach Deutschland ausgeliefert worden. Das sagte die Staatsanwaltschaft Hagen am Montag. Der Mann war Mitte September an der Grenze zwischen Russland und Finnland verhaftet worden. Inzwischen sitze er in Deutschland in Untersuchungshaft, ein Gerichtstermin stehe noch nicht fest, erklärte das Landgericht Hagen.

Gemeinsam mit dem Cousin des Opfers soll der finnische Staatsbürger mit syrischen Wurzeln seine Nichte, eine 20-Jährige aus Schwerte, im August 2008 auf einem Parkplatz an der Autobahn 45 erschossen haben. Der Cousin war 2010 zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Grund für den Mord soll der westliche Lebenswandel der jungen Frau gewesen sein.

Der Fall:

Westfälische Rundschau 08.09.2009:

“Wir plädieren auf Freispruch!” Mit einem Paukenschlag hat am Dienstag der Prozess um den Parkplatz-Mord von der A45 begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem jungen Syrer vor, seine Cousine erschossen zu haben, um die Familienehre wiederherzustellen.

Dunkles Hemd mit kurzen Armen, helle Jeans, die tiefschwarzen Haare akkurat gescheitelt: Der junge Mann schaut aus, als habe er sich für den abendlichen Club-Besuch bereit gemacht. Ezzedin a. R. ist aber nicht auf dem Weg ins Disko-Vergnügen. Für ihn geht es auf die Anklagebank im Schwurgerichtssaal am Hagener Landgericht.

Der Vorwurf des Staatsanwalts: Der junge Syrer soll im letzten Jahr gemeinsam mit einem Onkel seine 20-jährige Cousine Iphital Z. aus Schwerte umgebracht haben. Erschossen, „um die Familienehre wiederherzustellen”, sagt Staatsanwalt Thomas Holdorn.

Gestern begann der Indizienprozess gegen den jungen Angeklagten aus Wuppertal. Mit scheuem Blick aus den großen, blauen Augen betritt er das Gericht; ist einen Moment überrascht, wie viele Kameras auf ihn gerichtet sind. Schnell hebt er schützend eine rote Aktenmappe vors Gesicht, die ihm sein Verteidiger gereicht hat. Die Kameras klicken unaufhörlich weiter. Bis Dr. Frank Schreiber, Vorsitzender Richter der 2. Großen Jugendstrafkammer, die Reporter hinaus bittet.

Seit Ende Mai sitzt Ezzedin a.R. in Untersuchungshaft. DNA-Spuren und die Auswertung der Verbindungsdaten seines Handys haben ihm den Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes eingebracht.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt: Vor fast genau einem Jahr, am 31. August 2008, finden Reisende die Leiche einer jungen Frau auf dem Parkplatz Sterbecker Siepen an der A 45 bei Lüdenscheid. Die Ermittler stellen fest: Die Frau ist gezielt mit einem Kopfschuss getötet worden, fast eine Hinrichtung. Drei Hülsen findet die Spurensicherung später – aber nur zwei Kugeln.

„Der Angeklagte hat das Opfer, das auf dem Boden lag, festgehalten”, wirft der Staatsanwalt Ezzedin a.R. vor; für die Anklage steht fest, dass der Onkel beim ersten Schuss das Opfer verfehlt hat – die dritte Kugel, die nie gefunden wurde. Ezzedin a.R. ist für die Anklage Mittäter, nicht nur Helfer.

Der Angeklagte selbst schweigt. Aber sein Verteidiger, der Essener Rechtsanwalt Gerhard Thien, kündigt für den nächsten Verhandlungstag am Freitag an: „Er wird aussagen und auch Fragen beantworten.”

Deshalb greift Richter Dr. Schreiber zunächst nur auf die Vernehmungsprotokolle zurück. Zweimal hat die Polizei den Beschuldigten verhört, bis er festgenommen worden ist. Zunächst bestreitet er jede Beteiligung, will zur fraglichen Zeit zu Hause geschlafen haben. Wie sein Handy zur Tatzeit an den Tatort kam, kann er sich nicht erklären. Und der Polizei auch nicht.

In der zweiten Vernehmung „hat er auf Standardantworten umgeschaltet”, berichtet Polizist Peter K.: Er wisse nicht mehr, habe alles gesagt.

Das ändert sich auch bei seiner Festnahme nicht. Erst bei einem Haftprüfungstermin im Juli. Jetzt erzählt Ezzedin a. R. plötzlich bereitwillig vom grausamen Geschehen in der Tatnacht: Sein Onkel Hussain K. habe plötzlich vor seiner Tür gestanden, sich sein Auto – einen VW Passat – ausgeliehen, „um etwas zu erledigen”. Später sei der Onkel wieder gekommen und habe gebeten, ihn nach Frankfurt zu fahren. Das sei „vollkommen normal” gewesen, auch wenn der Kontakt zwischen Onkel und Neffe nicht sonderlich eng ist.

Ezzedin a. R. sitzt auf dem Beifahrersitz, nickt zwischendurch ein, bis der Onkel das Auto stoppt – und seinem Neffen eine Pistole an den Kopf hält: Er solle mache, was der Onkel von ihm verlangt. Der Neffe hilft mit, aus dem Kofferraum einen menschlichen Körper auszuladen. Ob die Person „noch gelebt hat, weiß ich nicht”, zitiert der Richter den Beschuldigten. Wo sie sich befinden, weiß er auch nicht. Er sieht das Mündungsfeuer der Pistole; hört „mehrere Schüsse”. Den Onkel, der bis heute flüchtig ist, muss er anschließend nach Amsterdam fahren. Mit der Drohung, niemanden etwas zu erzählen, sonst sei er der Nächste, den er erschießt, verabschiedet der Onkel seinen Neffen.

Dieser Version nach ließe sich der Mordvorwurf nicht aufrecht halten – der Beschuldigte wäre selbst bedroht und gezwungen worden, mit zu machen.

„Wir sehen super aus”, sagt denn auch Verteidiger Gerhard Thiene im Brustton der Überzeugung nach dem ersten Verhandlungstag zu den Angehörigen von Ezzedin a. R. auf dem Gerichtsflur. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

Rheinische Post 19.01.2010:

Wegen Beteiligung an einem sogenannten Ehrenmord ist ein 21-jähriger Syrer zu einer Gefängnisstrafe von 14 Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Hagen sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte zusammen mit seinem Onkel seine 20 Jahre alte Cousine im August 2008 auf einem Parkplatz an der Autobahn 45 getötet hat, um die vermeintlich angegriffene Familienehre wiederherzustellen.

Sie sei durch ein Familientribunal zum Tode verurteilt worden, erklärte der Vorsitzende Richter am Dienstag. Es sei auch nicht auszuschließen, dass der 21-Jährige selbst geschossen habe. Bislang waren die Ermittler davon ausgegangen, dass das Opfer von dem Angeklagten festgehalten und vom Onkel mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet wurde.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen gemeinschaftlichen Mordes eine Haftstrafe von 15 Jahren, die Verteidigung Freispruch gefordert. Der Wuppertaler hatte vor Gericht erklärt, er sei mit vorgehaltener Pistole von seinem Onkel zur Beteiligung an der Tat gezwungen worden. Er habe ihn dazu genötigt, den Körper seiner Cousine auf dem Parkplatz abzulegen.

Das Strafverfahren gegen den 48-jährigen Onkel wurde abgetrennt, da er auf der Flucht ist. Der Angeklagte hatte seinen Verwandten, der im Besitz einer finnischen Staatsbürgerschaft ist, nach der Tat nach Amsterdam gefahren und ihn dort im Stadtzentrum abgesetzt.

Die Leiche der Frau war von einem Ehepaar an dem Rastplatz an der A45 gefunden worden. Die 20-Jährige war nach Aussage von Zeugen immer wieder von ihrer Familie bedroht worden, weil sie ohne das Einverständnis ihrer Eltern mit einem Mann zusammenlebte. Zuletzt war sie in ein Frauenhaus geflüchtet.

Focus 19.01.2010:

Das Landgericht Hagen hat einen 21-Jährigen zu 14 Jahren Haft verurteilt, weil er seine Cousine ermordet hat. Der Vater des aus Syrien stammenden Mannes rastete aus.

Der Angeklagte nahm das Urteil reglos auf, sein Vater dagegen konnte seinen Zorn nicht im Zaum halten: „14 Jahre! Sie haben sein Leben kaputt gemacht!“, tobte er nach der Verhandlung auf dem Flur des Landgerichts Hagen. Nur schwer ließ er sich von Angehörigen beruhigen. Mit der Verurteilung seines Sohnes wegen Mordes ging am Dienstag der dreimonatige Prozess um einen sogenannten Ehrenmord an einer 20 Jahre alten Frau aus Schwerte zu Ende.

Der Verurteilte ist ein Cousin des Opfers, das er nach Feststellung des Gerichts Ende August 2008 gemeinsam mit seinem Onkel auf einem Parkplatz an der Autobahn 45 mit drei Schüssen getötet hatte. Wer von den beiden auf das am Boden liegende Opfer schoss, konnte das Gericht nicht endgültig klären. Zugunsten des Angeklagten nahm es an, dass der derzeit noch flüchtige Onkel der Todesschütze war.

Der Angeklagte syrischer Herkunft hatte in dem Prozess eine willentliche und wissentliche Tatbeteiligung bestritten und erklärt, von seinem Onkel zu der Tat gezwungen worden zu sein. Demnach war er mit ihm auf den Parkplatz an der A 45 bei Lüdenscheid gefahren. Dort habe der Onkel dann den Kofferraum des Pkw geöffnet und seinen Neffen mit einer Waffe dazu gezwungen, eine darin liegende Person herauszuheben. Erst später habe er erkannt, dass es sich bei dem gefesselten Menschen um seine Cousine handelte.

Das Gericht schenkte diesen Angaben keinen Glauben. Die Tat zeuge von genauer Planung und mache es unwahrscheinlich, dass der Onkel am Tattag ohne Ankündigung seinen Neffen besucht haben soll. Dahinter stehe der Versuch des Angeklagten, seinen Onkel als Alleintäter hinzustellen. Der vom Angeklagten als überraschend dargestellte Besuch des Onkels konnte im Verfahren unter anderem auch durch Protokolle von Handy-Gesprächen widerlegt werden. Demnach mietete sich der Onkel schon Tage vor der Tat in einem Dortmunder Hotel ein.

Grund für den Mord war nach Feststellung des Gerichts der westliche Lebenswandel der jungen Frau. Wegen ihres betont weiblichen Kleidungsstils und ihrem Gefallen daran, mit Männern auszugehen, habe ihre Familie ihr viele Vorwürfe gemacht. Daraus sei dann im Familienkreis die Forderung entstanden, sie zu töten. Als sich die Familienkrise zuspitzte, floh das spätere Opfer in ein Frauenhaus. Bis zuletzt habe sie gehofft, dass ihr die Familie verzeihen würde, so der Vorsitzende Richter.

Doch stattdessen beschloss ein „Familientribunal“, die junge Frau zu töten, wie der Richter feststellte. Die Ermordung sei ein „gemeinsamer Tatbeschluss“ der Familie gewesen, den auch der Angeklagte mitgetragen habe. Das Opfer erlebte seine letzten Sekunden dem Gericht zufolge offenbar bei vollem Bewusstsein. Dagegen hatte der Angeklagte angegeben, die junge Frau sei bewusstlos gewesen. Im Körper der Toten seien jedoch keine Spuren eines Betäubungsmittels nachgewiesen worden.

Wegen der niederen Beweggründe wandte das Gericht auf den Angeklagten nicht das Jugendstrafrecht an, obwohl der Verurteilte zum Tatzeitpunkt noch 20 Jahre alt war. Gegen eine lebenslängliche Haftstrafe, wie sie bei Mord üblicherweise vorgesehen ist, spricht nach Einschätzung des Gerichts, dass der junge Mann wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden könne und dass er die „geringeren Tatbeiträge“ geleistet habe.

2006 gab es in einem anderen Ehrenmordfall einen Freispruch

2 Kommentare

  1. “Ehrenmord” ist mit Abstand das Ehrloseste, noch viel ehrloser, als Raubmord und auch ehrloser, als Mord aus Eifersucht. Haftstrafen unter lebenslänglich für so etwas sind für mich Rechtsbeugung.

    Einem Kuschelrichter aus Bad Hersfeld habe ich mal eine Mail geschickt, dass Richter, die solche Urteile fällen der Rechtsbeugung angeklagt gehören und ihren Beruf nicht weiter ausüben dürften. Daraufhin bekam ich eine Strafanzeige wegen Beleidigung. :lol: Beim kriminalpolizeilichen Verhör :lol: gewann ich den Eindruck, den Beamten aus der Seele zu sprechen. Verfahren wurde eingestellt.

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