Kulturelle Bereicherung an zwei schwedischen Gymnasien

schule_schweden

Einige Hundert Gymnasiasten haben sich im schwedischen Göteborg an Krawallen  beteiligt. Ausgangspunkt war der Protest der Schüler gegen diskrimierende Fotos und Beleidigungen von Schülerinnen als «Huren und Schlampen» in der Internet-Fotobörse Instagram. Möglicherweise spielte der Migrationshintergrund und eine Art “Ehrenkultur” eine Rolle.

Ein Polizeisprecher sagte, dass die Schüler vor einem Gymnasium Beamte sowie Passanten mit Flaschen und Steinen beworfen hätten. Die Polizei musste alle verfügbaren Kräfte sowie auch einen Helikopter zur Beruhigung der Menge vor dem Gymnasium einsetzen. Es habe keine Verletzten und auch keine Festnahmen gegeben, so der Sprecher.

Tagesspiegel:

Sex-Mobbing im Internet ist offenbar Auslöser des Aufruhrs in Schweden – zwei Gymnasien wurden geschlossen. Der Hintergrund ist unklar. Möglicherweise spielt der Migrationshintergrund und eine Art “Ehrenkultur” eine Rolle.

Das westschwedische Göteborg befindet sich im Alarmzustand. Nach dem gewaltsamen Schüleraufruhr vom Dienstag ist die Polizei in höchster Bereitschaft. Anlass ist die Anprangerung junger Mädchen als „Huren“ und „Schlampen“ auf der Internet-Fotosharingplattform Instagram. Ein schwedischer Instagram-Account hatte die Nutzer aufgerufen, Informationen über „Schlampen“ im Raum Göteborg zu veröffentlichen. Rasch waren daraufhin mehrere hundert Fotos von Mädchen ab 13 Jahren hochgeladen worden. Auf das Gerücht hin, Drahtzieherin der Mobbingaktion sei eine 17-jährige Schülerin, formierte sich auf Facebook eine Gruppe der Rächer. Hunderte Jugendliche zogen vor das Plus-Gymnasium, das die verdächtige Schülerin besucht, und lieferten sich dort ausgedehnte Straßenschlachten mit der Polizei.

Die Polizei setzte alle in der Stadt verfügbaren Beamten sowie Hunde und einen Hubschrauber ein.

Die beschuldigte Schülerin, die in Verhören jegliche Schuld bestritten hat, gehört laut der Staatsanwaltschaft weiterhin zum Kreis der Verdächtigen. Sie und ihre Familie befanden sich am Mittwoch an einem geheimen Ort. Sie wurden von der Polizei versteckt, damit sie vor Übergriffen geschützt sind.

Unterdessen zieht der Skandal weitere Kreise. Zwar ist der ursprüngliche Instagram-Account gelöscht. Das schlechte Beispiel hat aber offenbar Schule gemacht – nicht nur in Göteborg. Am Mittwoch tauchten diverse neue Konten einschlägigen Inhalts auf. Mit dem Löschen, so eine Polizeisprecherin, käme man kaum hinterher. Inzwischen ist noch ein zweites Gymnasium wegen der Unruhen geschlossen worden. Eine Sprecherin kündigte an, nach der Wiedereröffnung sollten die Ereignisse gemeinsam bearbeitet werden.

In Schweden lösten die Ereignisse Debatten über Recht und Gesetz im Netz, eine zunehmende Mobbingkultur und die Naivität zumal vieler junger Nutzer aus, die Bilder sexuellen Inhalts von sich selbst ins Internet stellen und auf mögliche Folgen nicht vorbereitet sind.

Die Hintergründe der Krawalle sind noch weitgehend unklar. Nach unbestätigten Informationen sollen auch die Einwanderungsproblematik und insbesondere Fragen sogenannter „Ehrenkultur“ in dem aktuellen Fall eine Rolle spielen. So sollen angeblich unter den Angeprangerten viele Mädchen aus Migrantenfamilien sein. Das könnte erklären, dass auf den Fotos, die randalierende Jugendliche zeigen, viele offenbar einen Migrationshintergrund haben. Möglicherweise wollten junge Männer die Beleidigung der Mädchen rächen.

Gesichert ist das aber nicht. Die betroffene Schule gibt keine Auskunft, auch die Polizei hält sich mit Erklärungen zurück, möglicherweise um die Stimmung nicht weiter aufzuheizen.

Der Name des Internet-Fotoportals Instagram, wo die öffentlichen Beleidigungen stattfanden, ist derzeit auch in einem anderen Zusammenhang Thema. Die Schülerkrawalle fallen zeitlich zusammen mit einer heftigen Diskussion um die Fotoplattform Instagram, die angekündigt hatte, Privatfotos ihrer Nutzer kommerziell verwerten zu wollen. Nach Protesten machte der Konzern einen Rückzieher. Beide Themen haben nichts miteinander zu tun, außer dass das neue Medium Instagram eine Menge grundsätzlicher Probleme aufwirft, mit der viele nicht klarkommen.

Foto: AFP