Zurück zur D-Mark?

Zurück zur D-Mark? Ist das wirklich eine Option? Hierzu eine Linksammlung (rot = besonders fundiert).

1. Artikel

2. Blogs

—————————————————————————————————

Artikel

20.12.2006 Focus: Umfrage: Deutsche wollen D-Mark zurück

Vor die Wahl Euro oder D-Mark gestellt, würden 58 Prozent lieber wieder mit den alten Münzen und Scheinen zahlen, ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins „Stern“. 40 Prozent zogen dagegen den Euro vor. Zwei Prozent der Befragten äußerten keine Meinung.

18.04.2010 Welt Bekommen wir unsere D-Mark zurück? (mit Umfrage)

Die Deutschen mögen den Euro von jeher nicht. Seit klar ist, dass deutsche Steuerzahler für Griechenland zahlen müssen, schwindet der letzte Rückhalt für den Euro. Plötzlich werden Forderungen nach der Rückkehr der D-Mark, bis vor Kurzem allenfalls von D-Mark-Hardlinern vertreten, wieder salonfähig.

04.05.2010 Freie Allgemeine: Finanz-Experte: „Bundesbank druckt bereits neue D-Mark!“

Der österreichische Finanzexperte und Betreiber der Internetseite www.hartgeld.com , Walter K. Eichelburg, rät der Bevölkerung seit langem, ihre Euros in Gold einzutauschen, da dies die einzige Möglichkeit sei, die persönlichen Ersparnisse nicht an eine von ihm prognostizierte Hyperinflation im Euro-Raum zu verlieren.  Für Eichelburg verdichten sich die Indizien auf ein baldiges Ende des Euros und der europäischen Gemeinschaft. So sei er bereits vor einem Jahr an Informationen über den Druck einer „Notwährung“ gelangt. Er wisse von Großaufträgen der Bundesdruckerei für neue Druckmaschinen. Auch würden in den entsprechenden Kreisen bereits Probedrucke der neuen Währung unter der Bedingung der absoluten Verschwiegenheit präsentiert.

18.05.2010 Wirtschaftswoche: Euro-Krise: Kommt die D-Mark zurück?

Ginge es nach den Bundesbürgern, würde zwischen Flensburg und Garmisch bald wieder mit der D-Mark gezahlt. Aktuelle Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Deutschen die D-Mark dem Euro vorzöge. Allerdings sieht es derzeit nicht nach einer raschen Rückkehr unserer alten Währung aus. Die Regierungen und die Europäische Zentralbank wollen den Euro mit Zähnen und Klauen verteidigen, selbst wenn sie ihn mit ihren Rettungspaketen weich klopfen wie Brie-Käse in der Mittelmeersonne. Eine Mutation der Währungsunion zur Transfer- und Inflationsunion dürfte jedoch den Widerstand der Bürger gegen den Euro wachsen lassen. Das könnte mittelfristig politische Strömungen entstehen lassen, die Deutschland aus der Währungsunion herausführen wollen. An den Finanzmärkten wird das zwar noch als Außenseiterszenario gehandelt. Dessen Wahrscheinlichkeit habe jedoch „deutlich zugenommen“, heißt es bei der US-Investmentbank Morgan Stanley. Technisch gesehen wäre eine Rückkehr zur D-Mark kein großes Problem. Die Bundesbank könnte sofort die Versorgung der Wirtschaft mit Geld sicherstellen. In der Übergangsphase bis zur Ausgabe von D-Mark-Scheinen und Münzen könnte das in Deutschland hergestellte Euro-Bargeld als nationales Zahlungsmittel dienen. So lassen sich die in Deutschland geprägten Münzen durch den Bundesadler leicht von anderen Euro-Münzen unterscheiden. Die hier gedruckten Scheine besitzen ein X vor der Seriennummer. Träte Deutschland aus der Währungsunion aus, käme es zu massiven Kapitalzuflüssen, die D-Mark würde aufwerten. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure verschlechtern. Zugleich aber verbilligten sich die Importe. Da knapp 42 Prozent der Ausfuhren aus importierten Vorleistungen bestehen, sänken die Produktionskosten der Exporteure. Damit könnten sie die Aufwertung durch Preiskonzessionen ausgleichen.

29.05.2010 Bild: Die Deutschen wollen die D-Mark zurück

Doch: Die Rückkehr zur D-Mark wäre FALSCH, weil die deutsche Wirtschaft schweren Schaden nehmen würde! Siemens-Vorstandschef Peter Löscher vor einigen Wochen zu BILD: „Deutschland profitiert wie kein anderes Land vom Euro. Jeder zweite Job in der deutschen Industrie hängt vom Export ab. Der Euro ist eine große Errungenschaft für unser Land und für Europa. Er erleichtert Handel und Reisen ungemein.“ Durch die Wiedereinführung der D-Mark würde ihr Kurs sofort stark steigen, weil Anleger massiv in die stabile D-Mark Milliarden investieren würden. Andere Währungen müssten gleichzeitig stark abgewertet werden. So absurd das zunächst klingen mag: Eine starke D-Mark hätte für Deutschland als zweitstärkste Exportnation der Welt verheerende Folgen: Deutsche Waren würden bis zu 30 Prozent teurer, das Ausland könnte sich „Made in Germany“ nicht mehr leisten. Vor allem in den 27 EU-Ländern, die einen Großteil (63 %) deutscher Ausfuhren abnehmen.

29.06.2010 Tagesspiegel: Studie: Jeder Zweite will die D-Mark zurück

Die Skepsis der Deutschen gegenüber dem Euro sei weniger ökonomisch als vielmehr psychologisch begründet, sagt Johannes Dorn, Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Rheingold. Die D-Mark sei ein Garant für Stabilität gewesen. Seit ihrer Einführung haben die Deutschen kaum ökonomische Krisen erlebt. Mit dem Euro saß man plötzlich in einem Boot mit Ländern, von denen man wenig wusste und denen man nicht vertraute.

30.06.2010 Finanznachrichten: Jeder zweite Deutsche will die D-Mark zurück haben

Doch wäre es klug, wieder auf die alte Währung umzustellen? Auch diese Frage lässt sich schnell beantworten. Diesmal jedoch mit einem klaren Nein. Denn was würde eine neu eingeführte Deutsche Mark besser machen als der Euro? Wir wären als Land finanziell alleine auf uns gestellt, was sich angesichts der immer noch umhergehenden Finanzkrise schlecht auf uns auswirken könnte. Die Stärke der Euro Zone, so geschüttelt sie gerade sein mag, gibt zugleich auch Sicherheit. Zudem würde eine Wiedereinführung der alten Währung eine Unsumme verschlingen, welche die Staatsverschuldung sehr erhöhen würde.

27.11.2010 Spiegel: Szenario Euro-Crash: Finanzexperten fürchten den D-Mark-Alptraum

  • Variante eins: Deutschland und andere stabile Staaten wie etwa Österreich und die Niederlande führen gemeinsam einen “Hartwährungs-Euro” ein. Eine ähnliche Idee brachte Ex-Industrieboss Hans-Olaf Henkel bei ZDF-Talkerin Maybrit Illner ins Gespräch. Man müsse zwei Euro-Blöcke schaffen, forderte er: einen nördlichen, “der keine Inflation will und an Haushaltsdisziplin gewöhnt ist”, sowie einen südlichen, der seine Währung gerne abwerten dürfe, wenn er es denn unbedingt wolle.
  • Variante zwei: Deutschland kehrt tatsächlich zur D-Mark zurück. Es gäbe in Europa keinen gemeinsamen Währungsraum mehr, jedes Land könnte seine Geldpolitik wieder selbst bestimmen….
  • Fazit: Die Rückkehr zur D-Mark hätte überwiegend negative Folgen. ZEW-Experte Heinemann spricht daher auch von einem “unvorstellbaren Szenario – es hat unpopuläre Folgen für alle Beteiligten”. Die Chancen, dass es dazu kommt, hält er denn auch für äußerst gering.

11.12.2010 FAZ: Eurokrise: Kommt bald die D-Mark zu uns zurück?

„Ich gehe davon aus, dass einige Länder aus dem Euro austreten werden“, sagt die Göttinger Ökonomin Renate Ohr. Und ist damit nicht alleine. Auch Volker Nitsch, Professor an der TU Darmstadt, der zum Auseinanderbrechen von historischen Währungsunionen geforscht hat, sagt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass in nächster Zeit ein Land aus dem Euro aus tritt, ist mit Sicherheit größer als Null. Ich würde sie bei 20 Prozent sehen.“… Der amerikanische Star-Ökonom Barry Eichengreen etwa äußerte kürzlich, dass Deutschland als einiges der wenigen Länder der EU seine alte Währung wieder einführen könnte, ohne im Land eine schwere Finanzkrise auszulösen. Der amerikanische Hedge-Fonds-Manager George Soros rief Deutschland sogar schon im Mai dazu auf, die Währungsunion zu verlassen, wenn es seine Politik nicht ändern wolle. Und der Londoner Ökonom Roger Bootle empfiehlt Deutschland seit dem Sommer, die D-Mark wieder einzuführen. Es bedürfe lediglich einer Erklärung des Parlaments oder des Regierungschefs, um den Euro zu verlassen. Auch Renate Ohr sieht das als unproblematisch an: „Für den Euro gibt es keine Ausstiegsklausel, aber man kann aus völkerrechtlichen Verträgen immer raus.“Auch die technischen Hürden sind überwindbar. Wer eine neue Währung einführt, braucht eine Notenbank und Druckereien, die die neuen Geldscheine herstellen und Münzen prägen. „Das geht nicht über Nacht“, sagt Nitsch. „Aber es ist auch kein Ding der Unmöglichkeit.“ Denn in Europa gibt es nationale Notenbanken und Druckereien.

Schwieriger ist, dass auch alle Automaten und Kassen wieder auf D-Mark umgestellt werden müssten. Das kann teuer werden. Der Londoner Ökonom Roger Bootle schätzt die Kosten für die rein technische Umstellung auf maximal 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diesen Betrag hat einst das britische Schatzamt errechnet, als es darum ging, was es Großbritannien kosten würde, das Pfund durch den Euro zu ersetzen. Auf Deutschland übertragen, wären das rund 60 Milliarden Euro – eine üppige Summe, die derzeit sogar noch übersteigen würde, was Deutschland an Unterstützung an Irland und Griechenland zugesagt hat. Allerdings kam die britische Schätzung zu einer Zeit auf, da die Politik vom Euro nicht sonderlich begeistert war, weshalb sie womöglich überzogen ist.

Schnell ginge die Umstellung natürlich nicht. Geldnoten müssten entworfen und gedruckt werden. Das geht in nicht in einer Woche, vielleicht in einem halben Jahr, und auf jeden Fall kaum heimlich. Deshalb braucht es eine Zwischenlösung. Renate Ohr stellt sich das so vor: „Man könnte die Euro-Münzen nehmen, etwas anderes drauf drucken und damit bezahlen, bis es eine eigene Währung gibt. Das geht flott.“

Die wirklich wichtige Frage ist jedoch eine andere – und da wird es kompliziert. Es geht darum, welche wirtschaftlichen Folgen es hätte, den Euro zu verlassen. Das ist schwierig zu kalkulieren.

Viel hängt davon ab, wie sich der Wechselkurs entwickelt. Wahrscheinlich würde eine neue D-Mark erst einmal gehörig aufwerten. Extreme Schätzungen gehen davon aus, dass sie in einer Übertreibung sogar für kurze Zeit bis zu 50 Prozent an Wert gewinnen könnte. Das bliebe nicht ohne Effekt auf den Export. Denn die deutschen Waren und Maschinen würden im Ausland deutlich teurer. Wahrscheinlich gäbe es zumindest kurzfristig einen Exportschock. Dazu kommt, dass die Ausfuhr in die Euro-Länder wohl auch langfristig zurückgehen würde. Die Geschichte lehrt: Die Auflösung einer Währungsunion bedeutet immer einen Rückgang der Handelsbeziehung zwischen den einstigen Währungspartnern.

Die Frage ist, ob das so schlimm ist. Denn erstens muss der deutsche Export nicht dauerhaft sinken. Wenn die Währung stark ist, werden nämlich Rohstoffe, die Deutschland vor allem aus dem Ausland bezieht, günstiger. Dadurch können deutsche Produkte günstiger hergestellt und verkauft werden, was die Aufwertung zumindest teilweise ausgleichen dürfte. Renate Ohr sagt: „Wir haben es früher oft erlebt, dass die D-Mark stark war. Das hat die deutsche Wirtschaft immer ausgehalten.“

Zweitens ist Export keinesfalls das einzige Ziel der Wirtschaft. Für den Konsum hätte eine Aufwertung einen positiven Effekt: Konsumgüter aus dem Ausland würden billiger. Dazu kommt, dass die Zinsen in Deutschland dauerhaft niedrig bleiben oder sogar sinken dürften, weil in ein sicheres Land viel Kapital strömt.

Das macht Investitionen günstiger und auch Kredite für Privatleute, die sich dann mehr leisten könnten: ob ein Häuschen oder einen Flachbild-Fernseher. Auch das kann der Wirtschaft einen Schub geben.

Kurzfristig wäre also ein steigender Wechselkurs schlecht für die Wirtschaft, weil es einen Exportschock geben würde. Langfristig ist das keinesfalls sicher.

Richtig teuer wird es an anderer Stelle. Denn die Deutschen haben – häufig, ohne es zu wissen – große Vermögen im Ausland. Im Vertrauen darauf, dass der Euroraum zusammenhält, haben Versicherungen, Banken und Fonds viel im Euro-Ausland investiert. Wertet eine neue deutsche Währung auf, so verlieren diese Auslandsvermögen enorm an Wert. Roger Bootle hat ausgerechnet, dass eine zwanzigprozentige Aufwertung der neuen Währung dazu führen würde, dass deutsche Vermögen im Ausland 158 Milliarden Euro an Wert verlieren – sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das würde bei deutschen Sparern nicht gut ankommen.

Gesamtwirtschaftlich muss man jedoch immer gegenrechnen, was uns der Euro kostet, wenn wir dabeibleiben. Derzeit ist das noch nicht so viel, da die Hilfskredite von den überschuldeten Ländern zurückzuzahlen sind. Nur rechnet kaum noch einer damit, dass dies in voller Höhe geschieht. Noch teurer wird es, wenn größere Länder auch nach Hilfe rufen. Dann werden die Milliarden, für die Deutschland womöglich einstehen muss, immer unvorstellbarer, die deutsche Staatsverschuldung wächst enorm. Und es würde auch für Deutschland immer teurer werden, sich zu verschulden. „Wenn die Zinsen um einen Prozentpunkt steigen, dann muss der deutsche Staat 18 Milliarden Euro mehr ausgeben, um sich zu refinanzieren“, sagt Kai Carstensen vom Ifo-Institut.

Um auszurechnen, dass sich das – zusammengenommen – irgendwann nicht mehr lohnt, muss man kein Mathematikgenie sein. Die Frage Euro oder D-Mark ließe sich ganz rational angehen, die Alternativen in Kosten und Nutzen bemessen – und danach entscheiden, ob sich die Währungsunion für Deutschland lohnt oder nicht. Wäre da nicht das große Aber: Was passiert kurzfristig, wenn Deutschland den Euro verlässt? Alle Szenarien, die dazu kursieren, haben eines gemeinsam: Es wird turbulent.

Da absehbar ist, dass eine neue D-Mark aufwertet und der Euro ohne Deutschland abwertet, käme es bei einer Wiedereinführung der D-Mark wohl zu einem Run auf die Vermögen, die im Euro-Ausland liegen. Griechen, Spanier, Iren würden versuchen, ihr Geld noch schnell nach Deutschland zu bringen. Um das zu verhindern, müsste man dort heftig eingreifen: die Banken schließen, den Kapitalverkehr beschränken, vielleicht sogar die Grenzen dicht machen. Barry Eichengreen spricht deshalb davon, dass ein Ende des Euro „die Mutter aller Finanzkrisen“ wäre.

Dennoch glaubt der amerikanische Wirtschaftshistoriker Michael Bordo, dass es einen Punkt gibt, an dem Deutschland selbst dieses Risiko in Kauf nimmt: „Wenn eins der Kernländer des Euro in Not gerät, zum Beispiel Italien, könnte das die Deutschen dazu verleiten, die europäischen Verträge zu brechen.“

Dazu müssten aber noch politische Differenzen kommen. Denn eines haben Ökonomen aus ihrer – bisher noch recht dünnen – Forschung zu Währungsunionen gelernt, sagt Bordo: „Währungsunionen werden aus politischen Gründen gegründet, sie werden aus politischen Gründen fortgeführt und irgendwann enden sie aus politischen Gründen.“

15.12.2010 Wirtschaftswoche: Was die Rückkehr zur D-Mark kosten würde (nicht mehr vorhanden!)

27.12.2010 ManagerMagazin: Umfrage: Jeder Zweite will zurück zur D-Mark

Der Umfrage zufolge sind 51 Prozent mit dem Euro als Währung nicht zufrieden. Nur 17 Prozent hätten zudem das Gefühl, sie hätten seit der Euro-Einführung persönlich vom Euro profitiert, während 77 Prozent diese Frage mit Nein beantworteten. 67 Prozent der Befragten sorgten sich um die Stabilität des Euro, 56 Prozent fürchteten eine Inflation.

31.12.2010 Zeit: Währungen: Mal unter uns (plakative Aufzählung der Unterschieden DM / Euro)

04.03.2011 Global Review: “Alternativloser Euro”? Henkel, Spethmann und Plumpe widersprechen

Bundeskanzlerin Merkel erklärte den Euro als “alternativlos”. Widerspruch gibt es kaum. Nun hat sich aber aus Reihen der deutschen Wirtschaft Protest gemeldet.So kann sich der ehemlaige BDI-Chef Hans Olaf-Henkel angesichts der Griechenlandkrise 4 Szenarien vorstellen, wobei die Einführung eines Nord- und Südeuros eines, das der Rückkehr zur DM das andere wäre:

Frage: Wird der Euro das Jahr 2011 überleben?

Hans-Olaf Henkel:  Der Euro ist nicht in Gefahr, wohl aber die Wettbewerbsfaehigkeit Europas. EU-Kommissionspräsident Barroso hat gesagt, die Währung wird „at all cost“ verteidigt – koste es, was es wolle. Aber diese Verteidigung fuehrt ueber die Hintertuer zu einem europaeischen Zentralstaat. .

Frage: Inwiefern?

Hans Olaf-Henkel:  Es droht eine Transferunion. Das haben wir schon seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik in Form des Länderfinanzausgleiches. In Deutschland gibt es nur noch drei „Geberländer“, alle anderen Bundesländer zahlen nichts oder bekommen Geld. Auf dieser Grundlage gibt es für die Defizitländer keinen Anreiz zum Sparen, da ja alle ihre Schulden von den anderen bezahlt werden. Auch nicht für die Geberländer, denn sie müssen ihre Überschüsse ja abfuehren, also ein perfektes System organisierter Verantwortungslosigkeit. Nun wird dieses System auf Europa übertragen, ohne dass der Bundestag das erkannt hätte.

Frage: Wie geht es weiter mit dem Euro? Welche Szenarien sind vorstellbar?

Hans-Olaf Henkel:   Ich sehe vier Möglichkeiten.
Möglichkeit eins wäre: Weitermachen wie bisher. Die Bundesregierung gibt immer weiter nach auf dem Weg zur Transferunion. Das tat sie bisher schon: Merkel wollte Griechenland eigentlich kein Geld geben – und stimmte schließlich zu; sie wollte automatische Strafmaßnahmen gegen Defizitsünder – und ließ schließlich davon ab; sie forderte eine Beteiligung von Privatbanken bei der Rettung überschuldeter Länder – und gab auch da nach, eine europäische Wirtschaftsführung kam fuer die Deutschen nie in Frage, jetzt soll es diese auch geben. Die nächsten Positionen, die geräumt werden, sind der deutsche Einspruch gegen eine Aufstockung des Rettungsschirmes und gegen die Kapitalbeschaffung über gemeinsame Euro-Anleihen, sogenannte Eurobonds, für die vor allem wir Deutschen haften würden. Interessanterweise gilt Frau Merkel, trotz allem deutschen Nachgeben, im Ausland als „Madame No“, die sich immer durchsetzt. Wenn in Spanien und Griechenland gegen die Krise demonstriert wird, wird auch immer gegen die angeblich von den Deutschen geforderten Sparzwänge demonstriert.
Möglichkeit zwei: Es kommt zu neuen verbindlichen Spielregeln in der Euro-Zone. Wichtig ist die Verbindlichkeit, das würde sich von den bloßen Absichtserklärungen unterscheiden, die im November zur Ergänzung des Lissabon-Vertrages eingefügt wurden und nur die Öffentlichkeit beruhigen sollen. Das ist Kappes. Hanns-Werner Sinn vom ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut hat zwei gute Regeln genannt: Länder, die gegen die Stabilitäts- und Schuldenkriterien verstoßen, müssen raus. Die Entscheidung darüber treffen nicht Politiker, die allesamt selber potentielle Sünder sein können, sondern eine unabhängige Institution wie die Europäische Zentralbank. Und Länder, die die Eurozone verlassen wollen, können das aus eigenem Entschluss tun. Im Augenblick kann nämlich ein kleines Land wie Malta sein Veto einlegen, um den deutschen Austritt zu verhindern.
Möglichkeit drei: Die Rückkehr zu den nationalen Währungen. So, wie man die D-Mark abgeschafft hat, könnte man sie auch wieder einführen. Diese Alternative ist nicht meine Präferenz, aber sie ist auch längst nicht so gefährlich, wie von anderen dargestellt.
Möglichkeit vier: Die Teilung der Eurozone in Nord und Süd. Aus einer Währung zwei zu machen ist sicher einfacher als aus 17 eine. In diesem Szenario verlassen Deutschland und drei, vier weitere Länder die bisherige Eurozone. Griechenland und andere müssten dann nicht mehr die „deutschen Sparorgien“ ertragen. Die Diktate Brüssels sind ja tatsächlich vergleichbar mit der Brüningschen Sparpolitik Anfang der dreißiger Jahre, so wird die griechische Wirtschaft niemals aus dem Teufelskreis herauskommen und hat bei immer weiterer Schrumpfung null Chancen, die Schulden zurückzuzahlen.

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2011/05/12/14-mai-elsasser-spricht-bei-anti-euro-kundgebung-vor-dem-bundeskanzleramt/#more-3225

Nachdem schon der ehemalige BDI-Chef Hans-Olaf Henkel in Bloomberg TV und anderen Medien sich für die Idee der Einführung eines Nordeuros für wirtschaftlich stärkere  europäische Länder und eines Südeuros für wirtschaftlich schwächere europäische Länder aussprach, schlug nun der Ex-Vorstandssitzende von Thyssen, Dieter Spethmann in einem FAZ-Interview vom 19.1.2011 in dieselbe Kerbe. Damit ist dies schon der zweite Grosskapitalvertreter, der sich für ein derartiges Modell als Exitoption ausspricht.

 FAZ:Wie erklärt sich der Erfolg der deutschen Wirtschaft im Moment, spielt der Kurs des Euro eine Rolle?

Spethmann: Der heutige Außenkurs des Euro ist für Deutschland eindeutig zu niedrig. Die deutsche Volkswirtschaft müsste, nachdem sie Jahre lang Leistungsbilanzüberschüsse in Höhe von vier bis sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes geliefert hat, längst aufgewertet haben. Denn nur eine Aufwertung führt zu einem so großen Wohlstandszuwachs, wie wir ihn bis zum Fall der Berliner Mauer über 20 Jahre hinweg beobachten konnten.

FAZ: Ein tiefer Eurokurs ist schlecht für Deutschland – das widerspricht den meisten Argumenten, die man sonst hört – vor allem von der Exportindustrie?

Spethmann: Er ist für uns unangebracht, denn dadurch müssen wir Wirtschaftsleistung von bis zu zehn Prozent pro Jahr verschenken.

FAZ:Wie muss ich das verstehen?

Spethmann: Deutschland schenkt die Überschüsse, die es im Außenhandel erzielt, der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB benützt diese Überschüsse, um damit die Defizite von Griechenland, Italien, Frankreich und so weiter zu bezahlen. Wir verschenken jedes Jahr im Abrechnungskreislauf der Zentralbanken fünf bis sechs Prozent unseres Sozialproduktes, Waren gegen Papier. Im Bereich der Geschäftsbanken verschenken wir noch einmal zwei bis drei Prozent. Dazu kommt ein Nettobeitrag an die Europäische Union (EU) in Höhe von einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Wir verschenken jedes Jahr zehn Prozent unseres BIP. Das sind 250 Milliarden Euro – und das hält keine Volkswirtschaft aus.

FAZ:Was ist der Umkehrschluss? Sollte sich Deutschland zurückziehen aus dem Euroraum?

Spethmann: Ja, natürlich müssen wir heraus aus dem Euro, so schnell wie möglich. Die Niederlande und Österreich befinden sich in einer ähnlichen Lage. Wir brauchen so etwas wie einen Nord- und einen Südeuro.

FAZ:Wäre das politisch überhaupt machbar?

Spethmann:Ja, gemäß Artikel 50 des Lissabon-Vertrages, Aussatzklausel D, kann jeder heraus. Der Euro ist tot. Er ist eine politische Zwangsjacke. Er ist keine der Realwirtschaft dienende Währung, sondern ein Herrschaftsinstrument. Das zeigt sich unter anderem daran, dass José Manuel Durão Barroso den Euro um jeden Preis retten will.

FAZ: Wie soll und wird die Eurokrise denn weitergehen?

Spethmann: Solange ich zurückdenken kann, haben Staaten Moratorien erklärt. Es ist so normal wie der Alltag, dass ein Staat erklärt, ich kann nicht mehr. Darauf folgt dann in der Regel ein modifiziertes Rückzahlungsangebot an seine Gläubiger.

FAZ: Staaten wie Griechenland, Spanien et cetera müssen also ihre Schulden restrukturieren?

Spethmann: Wie sollen die Griechen oder die Spanier ihre Schulden bedienen können? Sie haben eine hohe Arbeitslosigkeit und sie kommen am Weltmarkt nicht mehr an, weil sie zu teuer sind. Ihr inländisches Kostenniveau ist zu hoch. Die Spanier müssen abwerten, um wieder eine ausgeglichene Handelsbilanz zu erhalten. Deswegen müssen sie heraus aus dem Euro. Dasselbe gilt für Griechenland, Italien, Portugal und andere auch.

FAZ:Selbst wenn die Deutschen zehn Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes verschenken, wie Sie sagen, scheinen sie doch recht geduldig zu sein.

Spethmann:Ich bin nicht so sicher. Nehmen wir als Beispiel die Deutsche Bundesbahn. Sie ist ausgeblutet, weil ihr sicherheits- und betriebserhaltende Investitionen vorenthalten worden sind. Die Autobahnen auf der anderen Seite werden durch starken LKW-Transitverkehr außerordentlich belastet, ohne kostendeckende Einnahmen zu erbringen. Irgendwann wird der Zustand der Infrastruktur so schlecht werden, dass sich der Eindruck verdichtet, es könne etwas nicht stimmen.

http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~E59FA1EB7915C436582BA9E571CDBB5AB~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Desweiteren sekundiert die FAZ, die in linken Kreisen auch gerne als „das Zentralorgan des deutschen Grosskapital“ tituliert wird, die Äusserungen der beiden prominenten Wirtschaftsvertreter mit einem programmatischen Artikel von Werner Plumpe,Lehrbeauftragter für Wirtschaftsgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt a.M. , der zum einen feststellt, dass die Eurokrise bisher noch gar nicht so schlimm sei. Eine Eurokrise existiere nicht und es sei auch keine Spekulation gegen den Euro erkennbar. Man habe also noch Zeit, in Ruhe über Alternativen zum Euro nachzudenken, sollte sie sich doch verschärfen. Dennoch sieht auch er den Euro nicht als die alternativlose Variante an, gibt auch zu bedenken, wenn Europa nicht mehr zusammenhalte als eine Währungsunion, dann wäre dies bedenklich. Mit Rückblick auf die Geschichte schreibt er:

Der Euro ist nicht unser Schicksal

Der Frieden in Europa, so wird gesagt, sei in Gefahr, wenn der Euro scheitere. Aber das Schicksal Europas hängt nicht von seinem Währungssystem ab. Zerfallende Währungsunionen waren historisch nicht einmal ökonomische Katastrophen. Ein Plädoyer gegen das Krisengeraune.

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E590EC41983954809BC056A038E4E0D37~ATpl~Ecommon~Scontent.html

31.05.2011 Focus: Deutschland muss raus aus dem Euro

… fordert ein Wirtschafts-Professor. Seine Begründung: Die deutsche Wirtschaft ist zu stark – die Eurozone kann nur ohne sie überleben.

Kurz bevor Griechenland endgültig den Staats-Bankrott eingestehen muss, fordert der Wirtschaftswissenschaftler, dass nicht etwa sein Land die Eurozone verlassen solle – sondern Deutschland!

Demetriades hat seine steile These in einem Leserbrief an die Londoner „Financial Times“ formuliert. Und sogar ausführlich begründet. Professor Demetriades gesteht ein, dass Rettungsplan A mit all seinen Steuerzahler-Milliarden nicht funktioniert hat. Aber er hält die Forderung, dass rettungslos überschuldete Staaten wie Griechenland und Portugal den Euro aufgeben müssen, für Unfug: „Der Hauptgrund dafür, dass die Eurozone kein optimaler Währungsraum ist, ist nicht so sehr die Schwäche der Randstaaten, sondern die Stärke der deutschen Wirtschaft.“ Deshalb, so seine Schlussfolgerung, müsse eben Deutschland die Währungsunion verlassen.

Ohne die aus purer Boshaftigkeit fleißigen Deutschen wäre die Eurozone offenbar ein Paradies: „Der Euro könnte rasch so weit abgewertet werden, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Peripheriestaaten wieder hergestellt wäre.“

Als Folge würden Wirtschaftswachstum und Zuversicht zurückkehren, die Zinsen für griechische Kredite könnten fallen und sogar Verschuldungs-Grenzen von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wären auf einmal erträglich zu finanzieren. Sein Fazit: „Ohne den deutschen Widerstand würde die Chancen für eine Fiskalunion – notwendig für das langfristige Überleben der Eurozone – deutlich steigen.“…

20.06.2011 Focus: In der Griechenland- Falle: Die griechische Tragödie: fünf

Szenario 1Griechen schaffen esANGENOMMEN, EU-Währungskommissar Olli Rehn hat Recht: Nach der im Mai 2010 beschlossenen Hilfe von 110 Milliarden Euro kommen noch ein letztes Mal 120 Milliarden Euro oben drauf – aber damit packen es die Griechen. Der Juni-Bericht der Troika genannten Prüfgruppe von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds lässt immerhin ein wenig Hoffnung aufkeimen: Der Außenhandel sei „dynamisch“, einiges deute darauf hin, „dass die Wirtschaft derzeit ins Gleichgewicht zurückfindet und die Quartale mit der stärksten Schrumpfung bereits vorüber sein könnten“. Die Troika lobt „sinkende Inflation“ sowie „niedrige Tarifabschlüsse“. Ab 2012 sei mit „positiven Wachstumsraten“ zu rechnen. Dieses Szenario ist das Prinzip Hoffnung: Die (letztmaligen) Hilfen erkaufen Griechenland die nötige Zeit, sich zu sanieren. Ab 2013 steht der neue, 700 Milliarden Euro schwere Europäische Stabilisierungsmechanismus (ESM) bereit. Deutschland beteiligt sich mit 22 Milliarden Euro in bar und übernimmt für 169 Milliarden Euro Bürgschaften. Im Gegenzug gibt es erstmals ein offizielles Verfahren zur Abwicklung von künftigen Pleitestaaten.

VORTEILE Es wäre für alle Steuerzahler der Schrecken mit Ende. Der befürchtete Domino-Effekt wäre verhindert.

NACHTEILE Alle Geldgeber müssten noch einmal die Börse zücken – und den Griechen vertrauen.

WAHRSCHEINLICHKEIT Leider gering. Eine Woche nach dem Troika-Bericht verschlechterten sich einige Wirtschaftsdaten in Grie chenland wieder (z. B. Inflation, Arbeitslosigkeit). Skandale, Generalstreiks und tiefe Brüche in der Gesellschaft schüren Zweifel am Reformwillen.

Szenario 2

Der Schuldenschnitt

ANGENOMMEN, Griechenland zahlt keine Anleihen mehr zurück und keine Zinsen. Gleichzeitig bietet Athen seinen Geldgebern an, alte Anleihen gegen neue Stücke mit halbem Nennwert und niedrigeren Zinsen zu tauschen, die dann wieder pünktlich bedient würden.

VORTEILE Griechenland wäre mit einem Schlag die Hälfte seiner Schulden los, die Kreditlast wäre viel leichter zu stemmen. Das Land könnte wieder auf eigenen Beinen stehen. Für Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, wäre eine Umschuldung nur logisch. „Das Prinzip der Haftung würde wiederhergestellt“, meint er. Will heißen: Wer Griechenland-Anleihen kaufte und gute Zinsen kassierte, sollte auch das Risiko tragen – und nicht allein der Steuerzahler.

NACHTEILE Die Gläubiger müssten notgedrungen zustimmen, würden aber künftig kaum mehr neues Geld geben. Zudem kämen auf alle Inhaber alter Hellas-Anlei hen wie Banken, Versicherungen und auch die EZB deftige Abschreibungen zu. Deutschlands Banken halten noch für 17 Milliarden Euro solche Papiere, vor allem Commerzbank, Deutsche Bank, Landesbank Baden-Württemberg, DZ Bank, Postbank sowie Allianz. Verzichten sie auf Forderungen, könnten Gebühren steigen, Aktienkurse sinken, Renditen sowie private Renten gekürzt werden.

WAHRSCHEINLICHKEIT Mittel. Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy scheinen sich auf einen freiwilligen Schuldenschnitt auch der privaten Geldgeber von weniger als 50 Prozent geeinigt zu haben. Wie das passieren soll, ohne Griechenlands miserable Kreditwürdigkeit weiter abstürzen zu lassen, ist aber völlig offen.

Szenario 3

Der Ausverkauf

ANGENOMMEN, wir heben Griechenlands Schätze. Der Internationale Währungsfonds beziffert den Wert der im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen, Häfen, Ländereien usw. auf rund 300 Milliarden Euro. Das sind 130 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung des Landes und annähernd 90 Prozent des aktuellen Schuldenbergs. „Griechenland kann seine Schulden durch den Verkauf seines Vermögens tilgen“, meint Martin Hüfner, ehemals Chefvolkswirt der HypoVereinsbank und heute beim Vermögensverwalter Assenagon. Die Europäische Zentralbank fordert dies intern auch. So sind allein rund 800 Jachthäfen, in denen die Wohlhabenden ihre Boote ankern, in öffentlichem Besitz. Offiziell Gewinn erzielt trotzdem keiner der Häfen.

VORTEILE Privatisierungen würden nicht nur dem Staat Geld in die Kasse spülen, sondern auch der Wirtschaft einen Produktivitätsschub verleihen, da Private in der Regel effizienter und rentabler arbeiten als der Staat. Zudem zahlen sie dann auch mehr Steuern. Gelingt es, nur die Hälfte dieses Vermögens zu aktivieren, wäre der Entschuldungseffekt ähnlich wie beim Schuldenschnitt – ohne negative Nebenwirkungen.

NACHTEILE Der Ausverkauf braucht bis zu fünf Jahre Zeit. Bis dahin bräuchte Hellas doch noch Finanzhilfen der Partner. Vorübergehend könnte es auch zu größeren Entlassungen und Streiks kommen. Um zu verhindern, dass die besten Objekte verramscht werden, müsste eine neue Organisation aus nationalen und internationalen Experten die Privatisierung leiten.

WAHRSCHEINLICHKEIT Hoch. Nur Sparen bringt kein Wirtschaftswachstum. Das Land braucht neue Geschäftsideen, und die bringen vor allem neue Investoren auch in privatisierten Betrieben.

Szenario 4

Pleite und Austritt

ANGENOMMEN, die Griechen boykottieren die Sparvereinbarungen ihrer Regierung mit den Geldgebern und entdecken die Vorteile einer eigenen Währung wieder. Der Tübinger Wirtschaftsprofessor Joachim Starbatty hält den Euro-Austritt für unvermeidbar. Nur so könne das Land gesunden: „Es kehrt zu seiner eigenen Währung zurück und kann abwerten.“ Entweder Griechenland ringe sich zu brutalen Opfern durch „oder wir kehren zur Drachme zurück“, erklärte die griechische EU-Kommissarin für Fischerei, Maria Damanaki. Als Vorbild gilt die Türkei: Sie konnte ihre eigene Währung, die Lira, zwischen 1999 und 2009 um 390 Prozent abwerten und die Löhne um 170 Prozent steigern, Griechenland dagegen nur um 35 Prozent. Dabei verbesserte die Türkei ihren Außenhandel, hielt das Leistungsbilanzdefizit bei zwei bis drei Prozent und halbierte den Schuldenstand gar auf 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

VORTEILE Die Drachme verbilligt griechische Waren und macht sie so im Ausland attraktiver. Im Inland verteuern sich andererseits ausländische Güter, der Wirtschaft hilft genau das.

NACHTEILE Die Maastricht-Verträge stehen einem freiwilligen Austritt aus der Währungsunion nicht entgegen. Die Regierung Griechenlands müsste aber mit einer Kapitalflucht rechnen. Innerhalb eines Jahres sind bereits 46 Milliarden Euro von griechischen Banken abgeflossen. Vor allem aber notieren die hohen Schulden Griechenlands weiter in Euro. Ein Umtausch in Drachmen wäre eine Enteignung der Geldgeber.

WAHRSCHEINLICHKEIT Gering. Der Austritt verzögert die Rückzahlung nochmals um Jahrzehnte. Außerdem könnte die Währung eines so kleinen Landes wieder leicht zum Spielball von Spekulanten werden.

Szenario 5

Zurück zur D-Mark

ANGENOMMEN, Deutschland gelangt zur Überzeugung, dass das Experiment einer gemeinsamen europäischen Währung auf Grund seiner inneren Widersprüche gescheitert ist: Der Euro-Zone mangelt es an wirtschaftlicher Integration, Anpassung, Koordination und Mobilität. So gesehen lösen die beschlossenen Hilfen die griechischmediterrane Tragödie allenfalls kurzfristig. „Sollen die geleisteten Hilfen nicht als versunkene Kosten enden, lassen sie sich rational nur im Zusammenspiel mit einer Neuordnung der Währungsunion rechtfertigen“, so die Analyse des Wirtschaftsökonomen Dirk Meyer von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Er schlägt für Deutschland die Abspaltung einer Nordwährung gemeinsam mit Österreich und den Niederlanden vor.

VORTEILE Deutschland wäre autonomer und könnte seine wirtschaftliche Stärke ausspielen. Der Aufwertungsdruck der neuen D-Mark oder des Nord-Euro ließe Deutschlands Auslandsschulden sinken.

NACHTEILE Ein sinkender Kurs des alten Euro mindert den Wert unserer Auslandsanleihen um etwa 30 Prozent. Deutschland, Österreich und die Niederlande hätten so einen erheblichen Vermögensverlust zu verschmerzen. Vorübergehend verteuern sich die deutschen Exporte. Bei Importanteilen in der deutschen Industrie zwischen 30 und 50 Prozent schlägt dieser Effekt jedoch nicht voll durch. Vor allem Energie und Rohstoffe würden billiger. Die Währungsumstellung kostet allein Banken und Automatenwirtschaft nach den Euro-Erfahrungen 25 Milliarden Euro.

WAHRSCHEINLICHKEIT Gering. Zwar ist die Hälfte der Bundesbürger für einen Austritt aus dem Euro, doch scheuen sich Politiker, die Forderung aufzunehmen. Sie gilt als Verrat an der „europäischen Sache“.

22.06.2011 Finanznachrichten Umfrage: Deutsche wollen D-Mark nicht zurück

Die Deutschen sind mit dem Euro zufrieden und wollen die D-Mark trotz Griechenland-Krise nicht zurück. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts “Emnid”. Danach sind nur 42 Prozent der Deutschen für eine Abschaffung des Euro und die Wiedereinführung der D-Mark. 56 Prozent der Befragten halten am Euro fest. Damit ist die Zustimmung zum Euro in den vergangenen Jahren sogar gestiegen: 2005 plädierten immerhin noch 45 Prozent für die Abschaffung des Euro und eine Rückkehr zur D-Mark. Für den Euro votierten damals nur 53 Prozent der Befragten. Trotz grundsätzlicher Treue zum Euro – von den Griechen haben die Deutschen die Nase voll. 70 Prozent der Befragten haben “kein Verständnis” für die teilweise drastische Kritik der Griechen an den Deutschen. Nur 25 Prozent haben Verständnis dafür, dass die Griechen uns wegen unserer harten Haltung bei der Kreditvergabe kritisieren.

21.07.2011 Wirtschaftswoche: Euro-Austritt: Mit der D-Mark zurück zu alter Stärke

Die Bürger lehnen den Euro ab, deutsche Konzerne verteidigen ihn. Fakt ist: Ein Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone wäre ein gewagtes Unterfangen. Doch es hätte so manche Vorteile für das Land.

Für die Chefs deutscher Konzerne ist der Fall klar. „Der Euro ist notwendig“, verkündeten sie jüngst apodiktisch in ganzseitigen Anzeigen in deutschen und französischen Tageszeitungen. Mit der Kampagne wollten sie die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung stützen – und eine Lanze für die Währungsunion brechen.

Ob ihnen das gelungen ist, ist jedoch fraglich. Einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge haben 71 Prozent der Bundesbürger kein Vertrauen mehr in den Euro. 68 Prozent bezweifeln, dass die Rettungsprogramme den Euro dauerhaft stabilisieren.

Zwölf Jahre nach seiner Einführung ist der Ruf des Euro ruiniert, viele Deutsche sehnen sich nach der D-Mark zurück. Doch welche Folgen hätte ein Leben ohne den Euro? Wäre die Rückkehr zur D-Mark -Segen oder Fluch für Deutschland?

Umtauschkosten steigen

In einer Umfrage der Managementberatung Kienbaum für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft gaben 19 Prozent der befragten Unternehmen an, der größte Vorteil des Euro für sie sei, dass er Währungsrisiken beseitige. Ebenfalls 19 Prozent sahen im vereinfachten Zahlungs- und Warenverkehr, 14 Prozent in der erhöhten Preistransparenz die größten Vorteile des Euro.

Träte Deutschland aus der Euro-Zone aus, entstünden Unternehmen und Bürgern Kosten für den Währungsumtausch und die Absicherung gegen Wechselkursschwankungen. Experten schätzen deren Höhe auf 0,5 bis 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das entspricht 12,5 bis 25 Milliarden Euro. Dass Wechselkursrisiken den Güterhandel bremsen, wie viele Euro-Befürworter behaupten, lässt sich jedoch nicht belegen. So ist der Anteil der Euro-Länder an den deutschen Warenexporten seit Einführung des Euro von 46,4 auf 41,3 Prozent gesunken. Offenbar haben die Exporte in andere Länder stärker zugelegt als die Ausfuhren in die Währungsunion, obwohl die Lieferungen in den Rest der Welt mit Wechselkursrisiken behaftet sind. Die These, der Euro habe den Handel innerhalb Europas beflügelt, lässt sich somit zumindest für Deutschland nicht halten.

Boom trotz Aufwertung

Kehrte Deutschland zur D-Mark zurück, würde die neue alte Währung im Zuge massiver Kapitalzuflüsse wohl kräftig aufwerten. Ein Einbruch der Exporte wäre dennoch nicht zu erwarten, das legen zumindest ökonometrische Studien nahe. Darin zeigt sich, dass die Wechselkurse nicht die allein entscheidende Bestimmungsgröße für die deutschen Exporte sind. Wertet der reale effektive Außenwert um ein Prozent auf, gehen die Exporte nur um 0,5 Prozent zurück. Grund für diesen relativ schwachen Effekt ist zum einen, dass deutsche Unternehmen vielfach als Weltmarktführer in Nischenmärkten operieren. Für die Abnehmer sind die Qualität der Waren made in Germany und deren Zuschnitte von so zentraler Bedeutung, dass der Preis bei der Kaufentscheidung in den Hintergrund tritt.

29.07.2011 Cicero: Zurück zur D-Mark?

Erst waren es Griechenland, Portugal und Irland. Nun ist es Italien. Bald dürfte Spanien folgen. Ein Euroland nach dem anderen taumelt in die Staatsschuldenkrise. Nur dank breiter und zunehmend größer werdender Rettungsschirme lässt sich der Bankrott einzelner Euroländer noch verhindern. Unsicher bleibt, ob die Hilfe nachhaltig greift. Gewiss ist nur, dass Deutschland den ewigen Zahlmeister zu spielen hat. Ohne seine stetigen Milliardenhilfen würde der Euroraum auseinanderbrechen.

Wen wundert es da, dass hierzulande eine Euromüdigkeit rasch um sich greift. Mehr als 70 Prozent der Deutschen haben momentan „weniger“, „kaum“ oder „gar kein Vertrauen“ in die Gemeinschaftswährung. Der Ruf nach einer Rückkehr zur D-Mark wird lauter.

Der Euro war in Deutschland von Anfang an ein ungeliebtes Kind, die Folge einer ungewollten Schwangerschaft, von Frankreich aufgedrängt als Gegenleistung für die französische Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung.

Viele Deutsche wollten den Euro von Geburt an los werden, einige haben – einem Vaterschaftstest ähnlich – gegen den Bastard und dessen Folgekosten vor Gericht geklagt: bis dato vergeblich. Die europäische Staatsschuldenkrise scheint nun eine neue Chance zu bieten, den mittlerweile in der Pubertät steckenden und entsprechende Sorgen bereitenden Jugendlichen los zu werden. Ein Austritt Deutschlands aus dem Euro und eine Rückkehr zur D-Mark wären jedoch ein Desaster von historischem Ausmaß, sowohl politisch wie ökonomisch.

Erstens bieten weder der EU-Vertrag noch die Eurogesetze eine rechtliche Handhabe für einen Austritt Deutschlands aus der Währungsunion. Genauso, wie geborene Kinder nicht ungeschehen gemacht werden können, gibt es keinen Plan B, der den Euro beseitigt. Wie die Ehe ist der Euro auf Ewigkeit ausgelegt. Anders als in der Ehe hat man bei ihm bewusst auf ein Scheidungsrecht verzichtet, um den Kapitalmärkten zu signalisieren, dass Austritt und Ausschluss unmöglich sind. Das Ewigkeitsgelöbnis bot Anlegern somit von Anfang an ein Höchstmaß an Sicherheit. Nur deswegen kam es zu den niedrigen Risikoprämien für Eurokredite, von denen alle Schuldner in den Euroländern profitierten – auch jene in Deutschland.
Eine Austrittsregel hätte von Beginn an zu Spekulationen an den Märkten und höheren Risikoprämien geführt. Genau das würde nun auch bei einer Rückkehr Deutschlands zur D-Mark geschehen. Die Märkte würden darauf spekulieren, dass es früher oder später doch wieder zu einem neuen Währungsverbund kommen könnte. Oder darauf, dass auch Deutschland aufgrund seiner hohen Verschuldung irgendwann seine heimische Währung abwerten müsste. All das würde für die D-Mark die Kreditkosten nach oben treiben – so oder so.

Zweitens könnte Deutschland aus der EU austreten, was seit Inkrafttreten des Lissabonner Vertrags am 1. 12. 2009 möglich wäre. Dann müsste es automatisch auch den Euroraum verlassen. Das aber wäre für Deutschland der ökonomische Gau. Eine Absage an Europa würde bei den Nachbarn die schlimmsten Ängste eines national isolierten Großdeutschlands wiedererwecken. Es wäre wohl das Ende der deutsch-französischen Freundschaft und der Anfang einer nationalen Misstrauenspolitik sowohl bei den westlichen wie auch östlichen Nachbarn.

Drittens würde eine Wiedereinführung der D-Mark hohe Umstellungskosten verursachen. Nur zur Erinnerung: Dem Euro ging eine mehrjährige Übergangsphase voran. Genauso müssten bei einer Rückkehr zur D-Mark zunächst neue Noten gedruckt, Münzen geprägt, Umtauschkurse fixiert und eine landesweite Versorgung mit Bargeld zum Stichtag X sichergestellt werden. Das wären technische Herausforderungen, die sich jedoch mit viel Aufwand und Kosten bewältigen ließen.

Genauso schwierig, aber ebenso lösbar, wäre es, die Forderungen und Verbindlichkeiten Deutschlands innerhalb des Europäischen Sytems der Zentralbanken mit der gemeinsamen EZB als Kern zu entflechten. Würde Deutschland sein Stammkapital zurückerhalten? Was passiert mit den faulen Krediten, die sich seit Mai 2010 in steigendem Maße in den Büchern der EZB befinden: Welchen Teil müsste Deutschland übernehmen?

Schon kritischer wäre es, das Vertrauen und die Reputation der wieder autonom agierenden Deutschen Bundesbank und ihrer eigenständigen Geldpolitik wiederherzustellen. Welche Risikoprämien müssten D-Mark-Schuldner an Kreditgeber, Anleger und Investoren bezahlen? Viele erwarten, dass sich Deutschland günstiger als heute Kredite beschaffen könnte. Das mag sein. Aber nicht auszuschließen ist, dass es auch ganz anders kommt und die neue D-Mark erst um Geldgeber aus aller Welt werben muss.

Viertens würde in einem Szenario, in dem Deutschland aus dem Euro austritt, die Statik des gesamten EU-Konstrukts bedroht. Wenn Deutschland bei der Währung seinen eigenen Weg geht, fühlten sich andere Länder nicht mehr an die EU-Verträge gebunden. Wieso auch? Eine Ära des Rosinenpickens begänne: Da, wo es kostet, geht man raus, aber da, wo man profitiert, will man drinbleiben. Es käme zu einer Renationalisierung der Wirtschaftspolitik und einem Zusammenbruch des Binnenmarkts. Deutsche Produkte würden gegenüber heimischen Erzeugnissen diskriminiert. Vielleicht nicht mit Zöllen oder direkten Abgaben, aber die Waffenkammer des Protektionismus ist vielfältig.

Der Zusammenbruch des gemeinsamen Binnenmarkts würde das auf den Außenhandel fixierte Deutschland besonders hart treffen. Die wirtschaftlichen Vorteile des europaweit grenzenlosen Warenhandels, der Arbeitnehmerfreizügigkeit und des freien Kapitalverkehrs haben eine effizienzsteigernde, kostenminimierende europaweite Arbeitsteilung in den vergangenen Dekaden erst möglich gemacht. Wie stark deutsche Firmen innerhalb Europas mittlerweile vernetzt und verbunden sind, lässt sich bei Streiks gut erkennen. Legen die Franzosen mal wieder die Arbeit nieder, kommt es in Deutschland rasch zu Produktionsschwierigkeiten, weil Vorleistungen oder Zulieferteile knapp werden.

Der gemeinsame Binnenmarkt kommt allen EU-Volkswirtschaften zugute. Zwar profitieren nicht alle gleichermaßen stark, aber alle haben seit ihrer Zugehörigkeit zur Wirtschafts- und Währungsunion den durchschnittlichen Lebensstandard verbessern können. Das gilt auch für Deutschland. Denn erst der gestiegene Wohlstand in den anderen EU-Ländern hat jene Kaufkraft erzeugt, mit der dann wiederum auch deutsche Produkte gekauft werden konnten. Der absolute Wert der deutschen Warenausfuhr in die Euroländer hat sich von 230 Milliarden 1999 auf fast 400 Milliarden 2010 nahezu verdoppelt.

Fünftens wäre ein Austritt Deutschlands aus der Währungsunion der Tod des Euros. Warum sollten Frankreich, die Niederlande oder Österreich nicht dem deutschen Vorbild folgen, ja, vielleicht folgen müssen, weil sie ihrerseits viel zu stark von Deutschland abhängig sind? Wer würde den „Euro light“ ohne Deutschland noch haben wollen? Wie hoch wohl wären die Risikoprämien, die jene verlangten, die den Rest-Euroländern Geld leihen? Die Zinskosten würden für die ohnehin schon kaum mehr kreditfähigen peripheren Länder noch einmal kräftig weiter nach oben schnellen. Damit würde automatisch deren Niedergang beschleunigt. Es genügt, sich an den Zerfall der DDR zu erinnern, um zu erkennen, was es heißt, wenn ein Staat bankrott und eine nationale Wirtschaft vor die Hunde geht.

Sechstens sollte niemand ernsthaft glauben, dass sich Deutschland in einem auseinanderbrechenden Europa entspannt zurücklehnen und ungeschoren davonkommen kann. Von einer politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Implosion der übrigen Euroländer wären auch deutsche Gläubiger direkt und unmittelbar betroffen. Sie müssten alle noch bestehenden heutigen Forderungen gegenüber den Schuldnern in den Rest-Euroländern mehr oder weniger stark abschreiben. Das betrifft dann eben nicht nur griechische, irische oder portugiesische Schuldner. Es würde zu einem Dominoeffekt kommen, der früher oder später auch Spanien, Italien, wohl auch Belgien mitreißen würde. Das könnten auch an sich gesunde deutsche Banken nicht alleine bewältigen, weswegen neue Rettungsschirme für den Finanzsektor notwendig würden. Am Ende könnte die Rückkehr zur DMark viel teurer werden als die jetzt so schrecklich gefürchtete Transferunion. Denn zur Rettung der Finanzinstitute kämen noch weitere Schutzmaßnahmen – auch militärische –, die finanziert werden müssten, um eine deutsche Insel der Glückseligkeit vor einem Ansturm aus dem Süden abzuschotten.

Siebtens vergessen die D-Mark-Nostalgiker immer, dass sich seit der Euroeinführung die Weltwirtschaft radikal geändert hat. Das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Es gibt keine Rückkehr ins alte westdeutsche Paradies. Die Gütermärkte sind heutzutage zu stark vernetzt, die Finanzsysteme zu eng verbunden. Milliarden von Menschen in Südostasien und Lateinamerika wollen teilhaben an ökonomischer Prosperität. Sie sind bereit, dafür lange und hart zu arbeiten. Um im globalen Wettstreit ökonomisch mithalten zu können, bedarf es entweder offener Märkte oder eines riesigen eigenen Binnenmarkts. Letzteren können einzig die USA und China, in Teilen Indien, Russland und Brasilien vorweisen. Alle anderen sind auf offene Märkte angewiesen, um die Enge des Heimatmarkts zu überwinden.

Gerade das Geschäftsmodell „Deutschland“ ist in existenzieller Weise von der weltweiten Öffnung nationaler Märkte abhängig. Eine Rückkehr zu nationaler Orientierung ist für Deutschland weder politisch klug noch ohne ökonomischen Wohlstandsverlust machbar. Nur ein gemeinsames europäisches Vorgehen hilft Deutschland, zu den USA und China aufzuschließen. Nur so kann deren Marktmacht im Zaum gehalten werden. Nur so kann Deutschland auf eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft hoffen

10.08.2011 Welt: Die hohe Kunst des Entscheidens – Szenario 3: Zurück zur D-Mark

10.08.2011 Bild: Ein fiktives Szenario: Wie hart kann es uns noch treffen

14.08.2011 Wirtschaft t-online: Rückkehr zur D-Mark?

17.08.2011 Berliner Morgenpost: Aus der Euro-Zone wäre teuer für Deutschland

08.2011 Süddeutsche: Zurück zur D-Mark? – Summa summarum: Euro – Video

25.08.2011 Wiener Zeitung Euro ohne Deutschland – Leitartikel

25.08.2011 Der Westen CDU: Die Euro-Krise bringt Merkel in der CDU ins Schwimmen

25.08.2011 Wiener Zeitung: Hedgefonds wetten gegen den Euro

25.08.2011 Wallstreet online: EUR/USD: Wöchentlicher Devisenkommentar: Die Märkte bleiben nervös

25.08.2011 Optimusprimus: Zurück zur Deutschen Mark

15.10.2011 Finanzkrise: „Der Staat hat den Gesellschaftsvertrag gebrochen“ :

Pippa Malmgren: Ich glaube, dass Deutschland bereits mit dem Drucken von neuen D-Mark-Scheinen begonnen hat. Außerdem sind die alten D-Mark-Scheine nach der Einführung des Euro meines Wissens nicht vernichtet worden.

15.10.2011 Krisen-Szenarien: Von “Durchwursteln” bis Euro-Crash (DiePresse)

Banken haben mögliche Szenarien für die eskalierende Eurokrise durchgerechnet. Fazit: Im schlimmsten Fall hilft eine Flucht aus dem Euro nur wenig, weil Europa eine Weltfinanzkrise auslöst.

Wien. Die Auszahlung der jüngsten Tranche der Griechenland-Hilfe zieht sich, die Banken tun sich zunehmend schwer, einander Geld zu leihen, der Euro-Rettungsschirm erweist sich als viel zu klein: Keine Frage, die Eurokrise droht zu eskalieren. Aber wie wird das enden? Die Asset-Management-Tochter der europäischen Großbank ING hat die wahrscheinlichsten Szenarien durchgerechnet. Ergebnis: Ein Schuldenschnitt in Griechenland ist unausweichlich. Im schlimmsten Fall müssen die Gläubiger von sieben Eurostaaten einen „Haircut“ über sich ergehen lassen. Und der Euro wäre dann endgültig Geschichte.

Szenario 1: „Durchwursteln“

Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent

Das Basisszenario, von dem die meisten Experten derzeit ausgehen: Die Politik macht weiter wie bisher. Die politischen Entscheidungsträger setzen Mindestmaßnahmen, zu denen sie von den Marktteilnehmern gezwungen werden. Griechenland bleibt Teil der Währungsunion, griechische Staatsanleihen werden aber um 60Prozent abgewertet. Andere Länder oder systemrelevante Banken fallen nicht aus. Allerdings müssen die Probleme rasch in den Griff gebracht werden: Dass das „Durchwursteln“ gelingt, hat auf Jahressicht eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent – die auf Dreijahressicht aber auf magere zehn Prozent sinkt.

Szenario 2: „Governance-Lösung“

Wahrscheinlichkeit: Zehn Prozent

Das ist die Lösung nach dem Geschmack der Banker: Griechenland wird mithilfe einer begrenzten Umschuldung (30 Prozent) einigermaßen stabilisiert, die Euroregierungen einigen sich auf weitergehende politische und fiskalische Integration, beschließen die Emission von Eurobonds und setzen gleichzeitig auf durchsetzbare Lenkungsmaßnahmen, um den Missbrauch einer solchen Transferunion durch Pleitestaaten zu verhindern. Zahlungsfähige Banken und Regierungen bekommen mit einem zur Bank umfunktionierten Euro-Rettungsschirm einen dauerhaften „Lender of Last Resort“, für die Umschuldung insolventer Länder und Banken wird eine „juristische Lösung“ gefunden. Der Haken an der Sache: Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, wird von den Bankern nur auf zehn Prozent geschätzt.

Szenario 3: „Knappes Überleben“

Wahrscheinlichkeit: 25 Prozent

Wahrscheinlicher ist da schon ein ziemliches Schreckensszenario: Griechenland verlässt die Eurozone, was im Land sofort zu Depression, Massenarbeitslosigkeit, Unruhen und einem „Bankrun“ führt. Dominoeffekte auf andere Euroländer sind dabei unausweichlich. In diesem Fall werten griechische Staatsanleihen um 70 Prozent ab, aber auch irische und portugiesische Staatsanleihen verlieren 40Prozent ihres Wertes. Selbst spanische und italienische Staatspapiere erleiden einen „Haircut“ um 20 Prozent. Solche Abwertungen hält das europäische Bankensystem klarerweise nicht aus. Systemrelevante Banken in ganz Europa müssten in der Folge von den Staaten vor der Pleite gerettet werden. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Schreckensszenario schätzen die ING-Banker mit 25 Prozent auf Jahressicht und 30 Prozent auf Sicht von drei Jahren relativ hoch ein.

Szenario 4: „Euro-Crash“

Wahrscheinlichkeit: Fünf Prozent

Im Worst-Case-Szenario erleiden mehrere Euroländer einen Staatsbankrott, die französisch-deutsche Achse zerbricht, die EU ist damit Geschichte. Am Ende stünde eine Art Euro-Mark-Zone mit Deutschland, Holland, Finnland, Österreich und Luxemburg. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind naturgemäß auch in der verbliebenen Euro-Mark-Zone katastrophal.

In diesem Fall verlieren griechische Anleihen 80 Prozent ihres Wertes, bei irischen und portugiesische Papieren sind es knapp 60 Prozent, bei italienischen und spanischen 40 Prozent und bei französischen und belgischen 20Prozent. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist mit fünf Prozent im ersten Jahr gering, steigt bei Dreijahresfrist aber auf 10 Prozent.

Die Berechnungen wurden im Übrigen nicht angestellt, um Panik zu erzeugen, sondern, um den Großkunden der Bank Szenarien für die Rettung ihrer Vermögen zu bieten. Diese sind freilich auch eher bescheiden: Wolle man sich gegen die Staatsschuldenkrise in Europa absichern, müsse man alle auf Euro lautenden Werte verkaufen. Ob das Konzept so aufgehe, sei aber fraglich. Denn ein Eurozusammenbruch würde auch einen globalen Finanzcrash auslösen.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 06.10.2011)

26.10.2011 Wir sollten den Nord-Euro einführen (Interview mit Börsenmakler Dirk Müller):

Zunächst bin ich gar nicht mal für eine Rückkehr zur D-Mark, sondern für einen Nord-Euro - mit Frankreich, den Niederlanden, Österreich und anderen soliden Staaten. Von einem Süd-Euro halte ich nichts, da sollten die Staaten ihre eigenen Währungen bekommen. Aber selbst wenn wir die D-Mark hätten, kann niemand behaupten, dass wir mit einer Währung, die zu unserer Wirtschaftsleistung passt, nicht konkurrenzfähig wären.

26.10.2011: Gipfel-Marathon: Warum der Euro einen Kraftakt verdient (Pro & Contra Euro / D-Mark)

Kapitalexport auf Kosten des Konsums im Inland

Hans-Werner Sinn vom Münchener Ifo-Institut argumentiert genau umgekehrt: Seit der Einführung des Euro sei nur ein Drittel der deutschen Ersparnis im Inland investiert worden. Der Rest wurde im Ausland angelegt, seit der Krise noch beschleunigt.

Mehr als 350 Milliarden Euro, fast ein Viertel der Ersparnis, floss über den Zahlungsbilanzausgleich, das sogenannte Target-System, der Euro-Zentralbanken seit 2008 an Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, um deren Kapitallücken zu füllen – einen “Rettungsschirm vor dem Rettungsschirm” nennt das Sinn. Die Wirkung sei identisch mit der von Euro-Bonds. Das System des gemeinsamen Geldes habe Konsum und Investitionen hierzulande verhindert und in den Randstaaten befördert.

06.11.2011 Währungsreform in drei Tagen machbar – DM über Weihnachten?

—————————————————————————————————

Blogs:

www.euroabschaffung.de

rsp.blog

[PDF] Der deutsche Euroausstieg – Ein Szenario

Will Germany Return To the Deutsche Mark?

 —————————————————————————————————–

Hinterlasse eine Antwort