Meine neuen Nachbarn: Die Flüchtinge…

Vor einiger Zeit bekam ich einen Anruf. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine Frau. Sie klang sehr verzweifelt und bat mich um Hilfe. Sie erzählte mir, sie sei zufällig im Internet über meinen Blog gestolpert und irgendwie hatte sie das Gefühl, sie müsse mich anrufen.
An ihrer Stimme hörte ich ihre Verzweiflung, ihre Wut und ihre Angst. Sie fing an, mir ihre Leidensgeschichte zu erzählen und fragte mich, ob ich ihr vielleicht helfen könne? Doch leider konnte ich ihr nicht helfen, außer ihr zuzuhören und ihr vielleicht den ein oder anderen Rat zu geben.

Wir telefonierten sehr lange miteinander und schließlich sagte ich ihr, sie solle mir doch einfach ihre ihre Erlebnisse aufschreiben. Ganz einfach, damit viele andere ihre Geschichte lesen und sie das Gefühl hat, nicht alleine mit diesem Problem zu sein.

Ein paar Tage später bekam ich ihre Mail. Hier nun die Geschichte von Karin:

Anbei mein Leidensweg in unserer heutigen Gesellschaft und wie man als verwitwete, alleinstehende und kranke Frau von unseren Behörden, Amtsleitern, Bürgermeistern, Landrat ect. behandelt wird…

Mein Wohnort ist eine Kleinstadt im Saarland. Selbst in unserer so beschaulichen idyllischen (es war mal idyllisch, ruhig und sicher hier) Kleinstadt kann ich als Frau abends nicht mehr alleine zur Bank, in die Stadt oder geschweige denn allein zum Bahnhof, aber das war ja schon immer so…das wird zumindest immer behauptet…?!

Im Juli 2013 verstarb mein Mann plötzlich im Alter von 56 Jahren, da ich selber sehr krank bin, war ich täglich auf seine Hilfe angewiesen (Ankleiden, waschen, Toilettengänge und vieles mehr).

Meine Wohnsituation ist folgende: Die Häuser sind alle, ähnlich wie Reihenhäuser, aneinander gebaut. Es war immer ein normales und freundliches Miteinander. Und es war auch immer eine Selbstverständlichkeit, dass die Nachbarn aufeinander Rücksicht nahmen.
Eines Tages wurde das untere Haus (in diesem lebte eine ältere Dame, die ins Altenheim kam) verkauft.

Die ersten Mieter, die einzogen, war eine türkische Familie mit vier Kindern im Alter zwischen 18 Monaten und 14 Jahren. Wir freundeten uns an und verstanden uns auch sehr gut, es gab keinerlei Probleme. Abends ab 20.00 Uhr war Ruhe und einer nahm auf den anderen Rücksicht. Wir waren füreinander da.

Mein Leidensweg begann damit, als diese Familie wegen Ungezieferbefall aus dem Haus ausgezogen ist und syrische Flüchtlinge (nur Männer) in das Haus einquartiert wurden. Die Zahl variierte zwischen drei und vier Mann. Ab diesem Tag war es mit der Ruhe vorbei!
Keine Nacht bekam ich mehr die Augen zu. Die neuen „Nachbarn“ machten die Nacht zum Tag und auch tagsüber gab es keine Ruhe.

Nach einiger Zeit wandte ich mich an die Kreisstadt und bat um ein Gespräch, damit es wieder Ruhe geben sollte, doch weit gefehlt…

Ich rief also den Bürgerbeauftragten an und schilderte den Sachverhalt. Die Antwort des Bürgerbeauftragten: „Die Flüchtlinge bräuchten eine Eingewöhnungszeit, ich sollte doch Verständnis haben und doch erst mal abwarten!

Ich wartete ab, doch es änderte sich nichts, also rief ich kurze Zeit später unseren Ausländerbeauftragten, Herrn Naumann, an und bat um ein Treffen mit den Flüchtlingen, um die Situation zu bereinigen.

Bei meinen Gesprächen und Telefonaten war immer ein Zeuge anwesend, damit mir niemand später das Wort im Mund umdrehen oder mir gar jemand etwas unterstellen kann. Doch alles war umsonst, denn genau das, was ich befürchtet hatte, traf ein!
Vor dem Treffen mit den Flüchtlingen wurde ich von Herrn Neumann darauf aufmerksam gemacht: „Ich solle mich nicht im Ton vergreifen“, ich dachte ich höre nicht richtig?!

Es folgten etliche Gespräche, doch gebracht hat es rein gar nichts! Es ging munter weiter mit dem Lärm.
Nach den Gesprächen stellten sich die Männer grinsend an die Fenster, so nach dem Motto: „Was willst du denn? Wir machen sowieso, was wir wollen!“

Eine Weile später rief ein Freund von mir bei der Ortspolizeibehörde, Herrn Vogt, an. Seine Antwort: „Ich sei ein Querulant! Ich würde das ganze Amt durcheinander machen und würde die große Welle machen!“
Ich war schockiert!

Irgendwann wandte ich mich direkt an den Bürgermeister. Nach einem kurzem Rückruf erklärte er mir: „Es werde sich darum gekümmert und ich solle ihm doch 14 Tage Zeit geben.“
Wie zu erwarten passierte aber natürlich nichts, also habe ich erneut angerufen und um einen Termin gebeten. Natürlich bekam ich keinen Termin und es hieß, man würde mich zurückrufen, doch auf diesen Anruf warte ich heute immer noch!

Genau das gleiche Spielchen wurde beim Landrat und auch bei der Ausländerbehörde abgezogen. Man versprach mir Besserung, doch es passierte NICHTS! Man wimmelte mich ab!
Etliche Male rief ich noch den Herr Naumann von der Ausländerbehörde an, doch es wurde sich um nichts gekümmert.
Daraufhin rief ich den Vorgesetzten von Herrn Naumann, Herrn Gillen an, in der Hoffnung, dass er mir vielleicht helfen kann, doch weit gefehlt!
Ich hatte meinen Namen noch nicht richtig ausgesprochen, da schrie mich dieser Herr schon an, was ich überhaupt wolle, sie hätten diesen Wohnraum angemietet und würden diesen auch nutzen, da könnte ich mich auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln! Und außerdem solle ich mich doch am besten gleich zwei Meter tiefer legen, dann bekäme ich wenigstens nichts mehr mit und bräuchte nicht mehr am Leben teilzunehmen! Ob ich Mäuse auf dem Speicher hätte? Das hätte bestimmt mit meiner Krankheit zu tun! Er würde auch seinen Nachbarn hören und ich solle ihn nun gefälligst in Ruhe lassen, denn draußen vor seiner Amststube würde jemand warten, der auch Wohnraum zur Verfügung stellen wolle!

Ich war sprach- und fassungslos, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie mit so einer ausfallenden, beleidigenden, frechen und niveaulosen Person zu tun gehabt! Sowas ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht untergekommen!

Ich möchte hier noch einmal anmerken, dass auch bei diesem Telefonat wieder Zeugen zugegen waren!
Wir schauten uns an und konnten nur noch mit dem Kopf schütteln!

Es hat sich bis heute nichts an der Situation geändert! Nein, es ist sogar noch schlimmer geworden, denn in der Zweischenzeit ist eine syrische Familie mit zwei behinderten Kleinkindern von vier und fünf Jahren einquatiert worden (Familiennachzug des einen Mannes der schon vorher in dem Haus gewohnt hat und alle Gespräche mitbekommen hat, wobei es um die Ruhestörung ging ).

Schon einige Male war ich drüben klingeln und bat um Ruhe. Beim letzten mal war es kurz nach eins in der Nacht. Der Junge von fünf sprang mit einer Schüssel Reis in der Hand auf dem Wohnzimmertisch rum und war am toben und schreien, die Antwort vom Vater lautete: Er könne nichts machen, die Kinder seien beide taubstumm, dann grinste er mich an und meinte: „SORRY SORRY“

Am schlimmsten ist jedoch, dass mir keiner glaubt, mit Ausnahme der Personen, die das alles live miterlebt haben.
Selbst die Polizei, die ich schon mehrfach wegen der ständigen Ruhestörung gerufen habe, winkt inzwischen nur noch ab, mit der Begründung: „Sie haben sich doch schon bei der Stadt beschwert, wir können da auch nichts machen.“ Logisch, denn bis die Polizei da war, war drüben im Haus natürlich alles ruhig!
Einer der Polizisten meinte hinter vorgehaltender Hand, er glaubt mir und könne meine Situation verstehen, aber leider könne er auch nichts machen…

Oft wird mir dann vorgeworfen, ich sei ja nur ein Einzelfall! In keinem anderen Fall gibt es, dort, wo Flüchtlinge untergebracht sind, Probleme mit den Nachbarn. Nur ich würde ständig Probleme machen, mich beschweren und wegen jedem Kleinkram die Polizei rufen. So ist es aber nicht!

Was soll ich denn machen, wenn selbst das reden mit den Nachbarn nicht hilft und sie keinerlei Rücksicht auf andere nehmen?

Die ganze Situation ist sehr belastend für mich, vor allem auch, weil man von den Leuten vorgeworfen bekommt, man würde sich das alles nur einbilden, man würde die Flöhe husten hören und Leute wie ich gehören in die Klapse!

Doch ich bin kein Einzelfall! Einer Bekannten von mir, auch sie ist alleinstehend, erging es ähnlich!
Sie vermietete die Einliegerwohnung ihres Hauses an die Gemeinde und kurz darauf zog eine Frau mit drei Kindern ein. Oftmals waren aber mehr als 10 Personen in der Wohnung, wahrschenlich Familienangehörige der Frau? Auch sie, meine Bekannte, bekam seitdem in der Nacht kein Auge mehr zu.
Nach drei Monaten war die neu renovierte Wohnung nicht mehr wieder zu erkennen! 12.000 Euro Schaden hatten ihr die Flüchtlinge hinterlassen und was sagte die Gemeinde dazu? „Sie solle den Schaden ihrer Versicherung melden!“

So könnte ich noch mehrere Fälle schildern, ein Haus wurde über die Stadt an Flüchtlinge vermietet. Auch hier etliche tausend Euro Schaden und die Vermieter sitzen auf den Nebenkosten (pro Jahr über 2500 Euro). Und was antwortete die Stadt, als Hausbesitzer einen Termin haben wollten, um die entstandenen Kosten zu klären? „Die Flüchtlinge gehen vor!“

Die ganze Situation ist nicht mehr zu ertragen. Mein Gesundheitszustand hat sich rapide verschlechtert und ich weiß nicht, wenn es so weiter geht, wie lange ich das noch durchhalte?
Ich bin inzwischen soweit, mein Haus, für das mein Mann und ich uns jahrelang krumm gelegt haben, zu verkaufen. Ich weiß, dass ich Verluste machen werde und nicht den Preis bekommen werde, was dieses Haus eigentlich wert ist, aber wenn mein Leben und meine Gesundheit darunter leidet, bleibt mir wohl leider keine andere Möglichkeit…?

Ich möchte aber nicht weg von hier…Ich möchte nur ganz einfach wieder ein bißchen mehr Ruhe haben, aber das ist scheinbar in der heutigen Zeit schon zu viel verlangt?

***

Karin und ich telefonieren inzwischen regelmäßig miteinander. Vor kurzem hatte sie wegen dieser ganzen Sache einen Nervenzusammenbruch. Sie weinte am Telefon und war mit ihren Nerven wirklich am Ende!

Ich würde Karin gerne helfen und deshalb möchte ich meine Leser bitten: Kennt einer von Euch/Ihnen vielleicht einen Anwalt, der sich (für kleines Geld) dieser Sache annehmen kann? Jemanden, der bei der Stadt vielleicht ein bißchen Druck machen kann?


Artikelbild: pixabay

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